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Bislang war die Mongolei für uns ein ziemlich unbedeutendes Fleckchen Erde irgendwo in Asien. Doch wenn man sich die Lage dieses Landes anschaut, erkennt man einige weltpolitische Brisanz. Die Mongolei hat genau zwei Nachbarstaaten: Russland und China. Damit sind die Machtverhältnisse geklärt. Drei Millionen Mongolen können es wohl kaum mit diesen beiden Weltmächten aufnehmen. Die großen Nachbarländer haben sich bislang auch recht wenig um das Nomadenvolk geschert. Doch just rund um unseren Aufenthalt rückt das Land ins Interesse der Großen. Russland braucht neue Verbündete, da das Verhältnis mit Europa bekanntlich getrübt ist und es ganz banal auf der Suche nach neuen Fleischlieferanten ist. Und wenn sich der russische Präsident nach elf Jahren wieder mal in sein Nachbarland aufmacht, muss sich auch der chinesische Präsident sehen lassen. Ihm geht es dabei eher um Energie. Denn schließlich liegen in der Mongolei riesige Rohstoff-Vorkommen, die nur angesichts des Klimas schwer zu bergen sind.

Unsere Guide hat sich auf unserer Tour häufig darüber beschwert, dass sie doch nur ein Spielball der Großen seien. Putins Aufenthalt von sechs Stunden fand sie ziemlich lächerlich, auch dass er frisches Fleisch von den Mongolen abnehmen und 150 Tankstellen bauen wolle. Sie konnte die Russen jedenfalls nicht leiden, was sicherlich auch historisch bedingt sein mag. Die Mongolei hat unter dem Kommunismus gelitten. Erst mit dem Ende der Sowjetunion konnte sich das Land wieder eine eigene Identität aufbauen, die vor allem auf Dschingis Khan beruht. Er ist der Nationalheld, der von den Russen einfach verschwiegen wurde. Selbst im Geschichtsunterricht wurde er zu kommunistischen Zeiten aus den Büchern gestrichen. Auch wir waren überrascht, ob der Größe des mongolischen Reichs zu Zeiten Dschingis Khans und zu Christi Geburt. Zeitgleich zum römischen Reich hatte sich die Mongolen im Osten ein Reich mit ähnlichem Ausmaß erobert. Zu Ehren Dschingis Kahns haben die Mongolen in den vergangenen Jahren ein eigenes Museum mit einer riesigen Statue gebaut - irgendwo mitten in der Pampa. Auch schmückt Dschingis Khan das Eingangsportal des mongolischen Parlaments.

Die Mongolei definiert sich also aus Zeiten, in denen das Land über weite Teile des heutigen Russland und China geherrscht hat. Doch heute herrschen andere Verhältnisse, und genau diese Mächte interessieren sich plötzlich wieder für die Mongolei. Um genau nicht zum berühmten Spielball zu werden, sucht die Mongolei ihrerseits andere, neue Verbündete: Kanadische Investoren, die mit dem Klima sehr gut zurecht kommen, japanische Kontakte, welche die Mongolei als neutrales Urlaubsland in Asien und für gesunde Lebensmittel entdecken, oder auch die deutsche Industrie. Diese sind den Mongolen weitaus lieber, als die Großmächte Russland und China.

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