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Überall in Moskau stehen - laut Reiseführer - sogenannte Zuckerbäckerbauten aus der Stalinzeit. Zuckerbäckerbauten, Reiseführerdeutsch. Wie kommt es, dass in Reiseführern ständig Worte vorkommen, die sonst kein Mensch verwendet? Ähnlich wie pittoresk oder quirliges Treiben. Wahrscheinlich werden diese Worte auf diversen Fortbildungen für Reiseführerredakteure in Umlauf gebracht. Fortbildungen wie "Malerisch schreiben Teil 1", oder "Mit Worten Urlaubsfeeling erzeugen - Advanced ." In einer harmlosen Übung am Nachmittag des zweiten Tages - die Teilnehmer kennen sich vom Networking-Dinner des ersten Abends bereits etwas besser - sollen in einem Brainstorming "märchenhafte" Worte für Gebäude erfunden werden. Die Stimmung der Fortbildung und der Wein am zweiten Abend tun ihr übriges dazu. Nach der Schulung bleibt bei allen Teilnehmern nur dieses eine Wort hängen - Zuckerbäckerbauten.

Sieben dieser Zuckerbäckerbauten soll es in Moskau geben. Sie wurden im Auftrag Stalins im sogenannten sozialistischen Klassizismus erbaut. Es handelt sich um durchaus ansehnliche Hochhäuser oder riesige Gebäudekomplexe aus Stein, welche das Moskauer Stadtbild prägen. Vor dem Bau modernen Hochhäuser der letzten Jahre waren sie die höchsten und damit weithin sichtbaren Gebäude der Stadt. Das Gebäude des Aussenministeriums oder das zentrale Unigebäude gehören beispielsweise dazu. Sie dienten auch anderen Bauwerken als Vorbild, wie zum Beispiel dem Kulturpalast in Warschau. Auch wenn diese Bauten also auf jeden Fall in einem Moskau-Reiseführer erwähnt werden sollten, denkt man beim Anblick dieser sicher nicht an filigranes Zuckerwerk, eher an massive, wenn auch schöne Betonkunst.

Kommentare  

#2 Moni 2014-08-25 21:20
Ich bin Ende September auf einer Tagung mit dem Thema "Wie spricht die Stadt". Da werde ich mal schauen, ob es guten Wein gibt und was wir uns für neue Reisefuhrer-Worte lausdenken werden. :-)
#1 Martin 2014-08-25 17:03
Da will ich doch mal die Reiseführerredakteure in Schutz nehmen. "Als Zuckerbäckerstil bezeichnet man vor allem die Architektur des sozialistischen Klassizismus." sagt laut Wikipedia das Lexikon der Weltarchitektur.
Wobei die Theorie mit dem Wein am zweiten Abend genauso plausibel ist!

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