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Vor ein paar Tagen ging die Meldung über den Ticker, Moskau schließt McDonald's Filialen. Wir sind dieser Meldung natürlich nachgegangen. Tatsächlich sind wohl 4 McDonald's Filialen geschlossen. Offiziell aus Hygienemängeln. Was wirklich dahinter steckt kann nur spekuliert werden. Eine der größten Filialen am Puschkinplatz ist jedenfalls abgesperrt, alle anderen, die wir gesehen haben, sind aber nach wie vor offen und erfreuen sich reger Beliebtheit. Selbst haben wir dort jedoch nicht gegessen. Im Bild die geschlossene Filiale am Puschkinplatz, sowie die geöffneten Filialen am Uliza Arbat und am Uliza Prokrowka.

 

Überall in Moskau stehen - laut Reiseführer - sogenannte Zuckerbäckerbauten aus der Stalinzeit. Zuckerbäckerbauten, Reiseführerdeutsch. Wie kommt es, dass in Reiseführern ständig Worte vorkommen, die sonst kein Mensch verwendet? Ähnlich wie pittoresk oder quirliges Treiben. Wahrscheinlich werden diese Worte auf diversen Fortbildungen für Reiseführerredakteure in Umlauf gebracht. Fortbildungen wie "Malerisch schreiben Teil 1", oder "Mit Worten Urlaubsfeeling erzeugen - Advanced ." In einer harmlosen Übung am Nachmittag des zweiten Tages - die Teilnehmer kennen sich vom Networking-Dinner des ersten Abends bereits etwas besser - sollen in einem Brainstorming "märchenhafte" Worte für Gebäude erfunden werden. Die Stimmung der Fortbildung und der Wein am zweiten Abend tun ihr übriges dazu. Nach der Schulung bleibt bei allen Teilnehmern nur dieses eine Wort hängen - Zuckerbäckerbauten.

Sieben dieser Zuckerbäckerbauten soll es in Moskau geben. Sie wurden im Auftrag Stalins im sogenannten sozialistischen Klassizismus erbaut. Es handelt sich um durchaus ansehnliche Hochhäuser oder riesige Gebäudekomplexe aus Stein, welche das Moskauer Stadtbild prägen. Vor dem Bau modernen Hochhäuser der letzten Jahre waren sie die höchsten und damit weithin sichtbaren Gebäude der Stadt. Das Gebäude des Aussenministeriums oder das zentrale Unigebäude gehören beispielsweise dazu. Sie dienten auch anderen Bauwerken als Vorbild, wie zum Beispiel dem Kulturpalast in Warschau. Auch wenn diese Bauten also auf jeden Fall in einem Moskau-Reiseführer erwähnt werden sollten, denkt man beim Anblick dieser sicher nicht an filigranes Zuckerwerk, eher an massive, wenn auch schöne Betonkunst.

Hello, are you Robert Hetterich? Bis mir diese erlösende Frage gestellt wurde ist ne Weile vergangen. Vom Bahnhof Belorusskaja ausgestiegen war die erste Schwierigkeit, an Geld zu kommen. In der Nähe gab es allerhand leckerer Bäckereien, Obststände, Apotheken, kleine Imbissbuden, Wettanbieter oder ähnliches, nicht aber einen normalen Geldautomaten. Ohne das nötige Kleingeld in der Tasche waren wir von all diesen Geschäften ausgeschlossen. Auch von einer U-Bahnfahrt. Erst nachdem wir vergeblich in drei verschiedene Richtungen gelaufen waren, hat sich Jana ein Herz gefasst und ist in Kontakt zu den Einheimischen getreten. In ihrer russisch-App hat sie das Wort Geldautomat nachgeschlagen. Sie ist auf einen nett wirkende Fensterputzerin zugegangen und hat sie direkt mit "Bankamat" angesprochen. Sie hat uns den Weg zurück gezeigt und wir haben was mit drei verstanden. Drei Straßenkreuzungen weiter hatten wir ihn dann auch gefunden. Mit 10.000 Rubel in der Tasche sind wir zur U-Bahn gelaufen. Ticket kaufen und Fahrt waren einigermaßen einfach, obwohl wir die russischen Schriftzeichen kaum entziffern konnten. Die Schwierigkeit begann nach dem Ausstieg aus dem U-Bahn. Wir haben nämlich kein Hotelzimmer sondern ein Apartment gemietet. Dass unser Apartment nicht bereits ab dem Kreml ausgeschildert ist war klar. Nur wer hatte ahnen können, dass wirklich nirgendwo auch nur ein einziger Hinweis auf diese Apartments zu finden ist. Als wir nach unserer Meinung die richtige Adresse erreicht hatten, haben wir verschiedene Leute angesprochen. Doch keiner kannte die Adrimi Apartments. Ein junger Mann hat uns sogar die Tür zu einem Haus aufgeschlossen ohne dass wir dort jedoch weitergekommen sind. Wir standen im Erdgeschoss im Treppenhaus eines Wohngebäudes, doch war hier kein Ansprechpartner. Jana hat sich dann auf die Suche gemacht. Als sie kaum weg war kam genau aus besagten Gebäude ein Mann auf mich zu und fragte: "Hello, are you Robert Hetterich?"

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An August summer night
Soldiers passing by
Listening to the wind of change

Wer kennt dieses Lied nicht. Wir wohnen in Moskau unweit der Moskwa und werden natürlich an einem der Abende an der Moskwa entlang spazieren und das Leben beobachten. In der Hauptstadt Russlands - vor mittlerweile Jahrzehnten noch Hauptstadt einer Weltmacht, Zentrale des Ostblocks - hat dieser "Wind of Change" sehr stark geweht. Jana war schon da, sogar ihre Großeltern haben Moskau Mal besucht. Für mich ist es das erste Mal. Die aktuellen Ereignisse in der Ukraine, das Verschlechtern der politischen Großwetterlage haben uns einige Male zweifeln lassen, ob die Zeiten die richtigen sind, um Moskau zu besuchen. Wir haben uns dafür entschieden, hoffen auf Gastfreundschaft und wollen gerade in diesen Zeiten zeigen, dass wir doch eigentlich freundschaftlich zu Russland gesinnt sind. Vielleicht merken das die Regierenden vor Ort auch mal wieder. 

In Moskau startet die Transsibirische Eisenbahn. Dort bleiben wir drei Tage, schauen uns roten Platz, Kreml und alles was man noch so vom Namen her kennt an. Die Bilder sind von Janas erster Russlandreise.