• IMG_0144.JPG
  • IMG_0145.JPG
  • IMG_0148.JPG
  • IMG_0153.JPG
  • IMG_0154.JPG

An der Grenze von Russland zur Mongolei kamen wir vor allem an die Grenze unserer Geduld. Stundenlang passiert einfach nichts. Das ist etwas komplett anderes als einen Tag Zug zu fahren ohne sonst eine Aufgabe zu haben, weil man dann ja Zug fährt, etwas voran geht. Immer wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man den Zug sich bewegen. Es ruckelt, wackelt und macht Krach. Wir haben eine Beschäftigung - Zug fahren. Doch der Reihe nach.

Wir sind recht früh in Ulan Ude losgefahren, um 7:24 war bereits Abfahrt. Der Zug ist der bislang komfortabelste und er ist recht leer, weshalb wir ein Abteil für uns haben. Außer uns ist noch ein junges europäisches Paar, eine alleine reisende junge Frau und ein älteres deutsches Paar im Wagen, allesamt Touristen. Wir richten uns ein, frühstücken, planen die Fahrt. Die Wagenbegleiterin kommt mit einer Kiste in unser Abteil, sie möchte kleine Andenken an die Fahrt verkaufen. Sie ist hier halt einfach Mädchen für alles. Wir kaufen einen kleinen USB-Stick in Form eines Transsib-Wagens.

Nach fünf Stunden fahren wir in den russischen Grenzbahnhof Naushki ein. Die Toiletten wurden vor Einfahrt verschlossen. Jetzt wird unser Zug rangiert. Es folgt eine Passkontrolle und wieder wird der Zug rangiert, bis schließlich nur noch unser Wagen mit einem weiteren Wagen gekuppelt, jedoch ohne Lok, auf einem Gleis steht. Es regnet. Wir steigen aus und erkunden die Gegend ein bißchen, gehen schließlich in ein Geschäft und kaufen etwas essbares ein. Zurück im Zug warten wir ca. 1 Stunde und werden erneut kontrolliert. Jetzt passiert erstmal nichts. Wir warten. Nach einer Zeit werden wir zum dritten Mal kontrolliert und unsere Pässe werden eingesammelt. Wieder passiert nichts. Man muss dazu sagen, die Kontrollen dauern höchstens jeweils 1-2 Minuten. Sie sind uns willkommene Abwechslung. Wir spielen Karten, um die Zeit, des Nichtstuns zu überbrücken. Es hört auf zu regnen. Jetzt wird unser Gepäck kontrolliert, jedoch nur äußerlich. Wieder passiert eine zeitlang nichts. Nach insgesamt 4 1/2 Stunden am Bahnhof kommen die Zöllner mit den Pässen zurück, es wird richtig hektisch. Innerhalb einer halben Stunde bekommen wir unsere Pässe wieder, unser Abteil wird mit einem Rauschgifthund durchsucht und eine Zöllnerin hat die akrobatische Aufgabe, in jedem Abteil bis ganz nach oben zu klettern und auf der obersten Ablage nach Schmuggelware zu suchen. Danach wird wieder eine Lok vorgespannt, wir bekommen die Einreiseformulare für die Mongolei und fahren los. Nach fünf Stunden ohne Aufgabe müssen wir jetzt gleichzeitig die Formulare ausfüllen, aus dem Fenster schauen und fotografieren.

Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, besser als das Haus, welches wir vorher fünf Stunden lang angesehen haben. Wir fahren durch Hügel, vorbei an Seen, passieren kleine Häuschen und schließlich eine kleine Stadt. Wir sind am Grenzbahnhof der Mongolei, Suche Bator. Unsere Lok wird von den beiden Wagen getrennt. Danach passiert nichts. Nach einiger Zeit kommt eine Zöllnerin, nimmt unsere Pässe und die Formulare entgegen, bringt sie aber schon nach weniger als 10 Minuten wieder zurück. Es kommt ein Geldwechsler. "Rubel, Dollar, Euro", ruft er. Wir wechseln unsere restlichen Rubel in mongolische Tugrik. Der Kurs ist zwar 10 Prozent unter dem aktuell gültigen Wechselkurs, so haben wir in Ulan Bator aber sofort etwas Kleingeld. Jetzt ist eigentlich alles getan. Anders als auf der russischen Seite, wurden alle Formalitäten recht zügig erledigt. Danach passiert jedoch erstmal wieder nichts. Wir beschließen, nach draußen zu schauen. In unserem Wagen sind zwar die Türen verschlossen, weil wir auch an keinem Bahnsteig stehen, im Nachbarwagen sind sie jedoch geöffnet. Wir also nach draußen. Eine Lok fährt langsam in Richtung unseres Zuges, bleibt aber in ca. 100 Meter Abstand stehen. Es beginnt zu regnen. Sonst passiert nichts. Der Geldwechsler geht erneut in unseren Zug. Eine zweite Lok fährt auf dem Nebengleis an unseren Wagen vorbei. Alles ist still. Der Geldwechsler ist immer noch im Zug. So langsam wird es dunkel. Unsere Mitreisenden verlassen auch hin und wieder den Zug. Der Geldwechsler kommt jetzt auch wieder raus. Wir beschließen, noch etwas Euro in Tukrit zu wechseln. Ich gehe auf den Geldwechsler zu, Frage nach dem Kurs. Er holt sein Bündel Geldscheine aus seiner Tasche. Der Kurs läge bei 2000 Tukrit für einen Euro. Das ist mir zu schlecht. Er erklärt, dass der Kurs sehr stark schwankt, auch schonmal über Nacht, Trotzdem, das ist 20% unter dem Kurs, den ich vor zwei Wochen gegoogelt hatte. Ich frage nach. Bei 100 Euro könnte er nen besseren Kurs machen. 2100 Tukrit je Euro. Wir lehnen ab, weil wir in Ulan Bator sicher nen besseren Kurs kriegen. Da wir nicht auf den Geldwechsler angewiesen sind, haben wir eine gute Ausgangslage zum Handeln. Nach kurzer Diskussion, gibt er uns schließlich 42000 Tukrit für 20 Euro. Wir gehen wieder in den Wagen. Alle anderen sind ebenfalls wieder eingestiegen. Neben uns fährt ein Zug aus Richtung Ulan Bator ein. Es ist jetzt bereits richtig dunkel. Das Licht im Wagen ist die ganze Zeit aus, nur die kleinen Leuchten am Bett sind einschaltbar. Die Toiletten im Zug sind die gesamte Zeit geschlossen, sodass man nur an den Bahnhöfen gehen kann. Mit unserem Zug passiert weiterhin nichts. Am Nachbarzug werden die Bremsen kontrolliert. 20 Minuten später fährt ein weiterer Zug vorbei. Mit unserem Zug passiert immer noch nichts. Jetzt wird wieder rangiert. Es wird doch noch eine Lok vor die beiden Wagen gespannt. Unser Zug steht bereit. Es passiert aber Mal wieder nichts. Acht Stunden und 17 Minuten nach Einfahrt in den russischen Grenzbahnhof verlassen wir schließlich mit 10 Minuten Verspätung den Grenzbahnhof auf mongolischer Seite und setzen unsere Fahrt fort. Hätten sie nur Mal genügend Pufferzeiten einkalkuliert, wären wir jetzt pünktlich. Aber es muss eben immer alles schnell gehen.

Damit haben wir endgültig die Langsamkeit entdeckt

Kommentare  

#5 Andreas K. 2014-09-10 08:03
Ich habe Euren Reisebericht bisher gern gelesen, gefällt mir wirklich sehr gut, weiter so. Alles Gute weiterhin, schöne Reise und viele einmalige Erlebnisse im Reich der Mitte.
Viele Grüße aus FFM
#4 brete 2014-09-08 07:53
Bin gespannt ob ihr eure Langsamkeit bewahren kõnnt, wenn ihr wieder zuhause seid? Hier herbstlicher Morgen mit Nebel, die Sonne bricht aber gleich durch und es wird wohl ein wunderschõner Altweibersonnentag, der unseren arbeitsreichen Tag begleiten wird. Gute Reise euch :)
#3 britta 2014-09-07 21:12
Wahnsinn ... hatte ja auch schon einige border crossings aber Russland - Mongolei toppt wahrscheinlich alles dagewese ... hoffentlich wird der nächste Grenzübergang besser !
#2 Maria 2014-09-07 20:13
Das erinnert ja an die Grenzübergänge zur DDR
#1 Gisela Vogt 2014-09-07 14:32
Hoffentlich habt Ihr auf eurem e Book reader, das Buch, die Entdeckung der Langsamkeit... oder schreibt ihr jetzt selbst eins zum Thema. Bei uns ist heute allen Unkenrufen zum Trotz herrliches Sonnnenwetter und das tut sooooooooooooo 8)oooooooooooooooooooooooooooo ooooooooooooooooooooooooo gut.

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren