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Die letzte Zugfahrt war das große Finale. Alles war geboten, was wir auf den bisherigen Fahrten erlebt hatten. Wir hatten eine spektakuläre Grenzüberschreitung mit viel sinnfreiem Aufenthalt inkl. diverser Passkontrollen. Der Zug wurde aufwändig und mit viel Krach umgespurt, zurück auf 1435mm Spur. Weil der Zug so lange war, wurde er dafür in drei Teile geteilt. Wir waren in der Mitte und konnten somit den anderen beiden Zugteilen beim Umspuren zusehen. Die Fahrt dauerte ordentlich lange, einen Tag und eine Nacht, insgesamt 28 Stunden.

Die Fahrt ähnelte dem Finale eines Schauspiels, weil viele Akteure wieder aufgetreten sind. Wir haben viele bekannte Gesichter aus unterschiedlichen Etappen wiedergesehen. Das liegt einfach daran, dass von Ulan Bator nach China nur zwei Züge pro Woche fahren. Wer also einen ähnlichen Zeitplan hat wie wir, muss diesen Zug nehmen. Der Zug ist voller Traveller aus allen Teilen der Welt. Dies ist die letzte Etappe der Transsib, danach zerstreuen sich alle in alle Himmelsrichtungen. Nur Mongolen oder Chinesen sind recht spärlich vertreten.

An der Grenze von Russland zur Mongolei kamen wir vor allem an die Grenze unserer Geduld. Stundenlang passiert einfach nichts. Das ist etwas komplett anderes als einen Tag Zug zu fahren ohne sonst eine Aufgabe zu haben, weil man dann ja Zug fährt, etwas voran geht. Immer wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man den Zug sich bewegen. Es ruckelt, wackelt und macht Krach. Wir haben eine Beschäftigung - Zug fahren. Doch der Reihe nach.

Wir sind recht früh in Ulan Ude losgefahren, um 7:24 war bereits Abfahrt. Der Zug ist der bislang komfortabelste und er ist recht leer, weshalb wir ein Abteil für uns haben. Außer uns ist noch ein junges europäisches Paar, eine alleine reisende junge Frau und ein älteres deutsches Paar im Wagen, allesamt Touristen. Wir richten uns ein, frühstücken, planen die Fahrt. Die Wagenbegleiterin kommt mit einer Kiste in unser Abteil, sie möchte kleine Andenken an die Fahrt verkaufen. Sie ist hier halt einfach Mädchen für alles. Wir kaufen einen kleinen USB-Stick in Form eines Transsib-Wagens.

Nach fünf Stunden fahren wir in den russischen Grenzbahnhof Naushki ein. Die Toiletten wurden vor Einfahrt verschlossen. Jetzt wird unser Zug rangiert. Es folgt eine Passkontrolle und wieder wird der Zug rangiert, bis schließlich nur noch unser Wagen mit einem weiteren Wagen gekuppelt, jedoch ohne Lok, auf einem Gleis steht. Es regnet. Wir steigen aus und erkunden die Gegend ein bißchen, gehen schließlich in ein Geschäft und kaufen etwas essbares ein. Zurück im Zug warten wir ca. 1 Stunde und werden erneut kontrolliert. Jetzt passiert erstmal nichts. Wir warten. Nach einer Zeit werden wir zum dritten Mal kontrolliert und unsere Pässe werden eingesammelt. Wieder passiert nichts. Man muss dazu sagen, die Kontrollen dauern höchstens jeweils 1-2 Minuten. Sie sind uns willkommene Abwechslung. Wir spielen Karten, um die Zeit, des Nichtstuns zu überbrücken. Es hört auf zu regnen. Jetzt wird unser Gepäck kontrolliert, jedoch nur äußerlich. Wieder passiert eine zeitlang nichts. Nach insgesamt 4 1/2 Stunden am Bahnhof kommen die Zöllner mit den Pässen zurück, es wird richtig hektisch. Innerhalb einer halben Stunde bekommen wir unsere Pässe wieder, unser Abteil wird mit einem Rauschgifthund durchsucht und eine Zöllnerin hat die akrobatische Aufgabe, in jedem Abteil bis ganz nach oben zu klettern und auf der obersten Ablage nach Schmuggelware zu suchen. Danach wird wieder eine Lok vorgespannt, wir bekommen die Einreiseformulare für die Mongolei und fahren los. Nach fünf Stunden ohne Aufgabe müssen wir jetzt gleichzeitig die Formulare ausfüllen, aus dem Fenster schauen und fotografieren.

Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, besser als das Haus, welches wir vorher fünf Stunden lang angesehen haben. Wir fahren durch Hügel, vorbei an Seen, passieren kleine Häuschen und schließlich eine kleine Stadt. Wir sind am Grenzbahnhof der Mongolei, Suche Bator. Unsere Lok wird von den beiden Wagen getrennt. Danach passiert nichts. Nach einiger Zeit kommt eine Zöllnerin, nimmt unsere Pässe und die Formulare entgegen, bringt sie aber schon nach weniger als 10 Minuten wieder zurück. Es kommt ein Geldwechsler. "Rubel, Dollar, Euro", ruft er. Wir wechseln unsere restlichen Rubel in mongolische Tugrik. Der Kurs ist zwar 10 Prozent unter dem aktuell gültigen Wechselkurs, so haben wir in Ulan Bator aber sofort etwas Kleingeld. Jetzt ist eigentlich alles getan. Anders als auf der russischen Seite, wurden alle Formalitäten recht zügig erledigt. Danach passiert jedoch erstmal wieder nichts. Wir beschließen, nach draußen zu schauen. In unserem Wagen sind zwar die Türen verschlossen, weil wir auch an keinem Bahnsteig stehen, im Nachbarwagen sind sie jedoch geöffnet. Wir also nach draußen. Eine Lok fährt langsam in Richtung unseres Zuges, bleibt aber in ca. 100 Meter Abstand stehen. Es beginnt zu regnen. Sonst passiert nichts. Der Geldwechsler geht erneut in unseren Zug. Eine zweite Lok fährt auf dem Nebengleis an unseren Wagen vorbei. Alles ist still. Der Geldwechsler ist immer noch im Zug. So langsam wird es dunkel. Unsere Mitreisenden verlassen auch hin und wieder den Zug. Der Geldwechsler kommt jetzt auch wieder raus. Wir beschließen, noch etwas Euro in Tukrit zu wechseln. Ich gehe auf den Geldwechsler zu, Frage nach dem Kurs. Er holt sein Bündel Geldscheine aus seiner Tasche. Der Kurs läge bei 2000 Tukrit für einen Euro. Das ist mir zu schlecht. Er erklärt, dass der Kurs sehr stark schwankt, auch schonmal über Nacht, Trotzdem, das ist 20% unter dem Kurs, den ich vor zwei Wochen gegoogelt hatte. Ich frage nach. Bei 100 Euro könnte er nen besseren Kurs machen. 2100 Tukrit je Euro. Wir lehnen ab, weil wir in Ulan Bator sicher nen besseren Kurs kriegen. Da wir nicht auf den Geldwechsler angewiesen sind, haben wir eine gute Ausgangslage zum Handeln. Nach kurzer Diskussion, gibt er uns schließlich 42000 Tukrit für 20 Euro. Wir gehen wieder in den Wagen. Alle anderen sind ebenfalls wieder eingestiegen. Neben uns fährt ein Zug aus Richtung Ulan Bator ein. Es ist jetzt bereits richtig dunkel. Das Licht im Wagen ist die ganze Zeit aus, nur die kleinen Leuchten am Bett sind einschaltbar. Die Toiletten im Zug sind die gesamte Zeit geschlossen, sodass man nur an den Bahnhöfen gehen kann. Mit unserem Zug passiert weiterhin nichts. Am Nachbarzug werden die Bremsen kontrolliert. 20 Minuten später fährt ein weiterer Zug vorbei. Mit unserem Zug passiert immer noch nichts. Jetzt wird wieder rangiert. Es wird doch noch eine Lok vor die beiden Wagen gespannt. Unser Zug steht bereit. Es passiert aber Mal wieder nichts. Acht Stunden und 17 Minuten nach Einfahrt in den russischen Grenzbahnhof verlassen wir schließlich mit 10 Minuten Verspätung den Grenzbahnhof auf mongolischer Seite und setzen unsere Fahrt fort. Hätten sie nur Mal genügend Pufferzeiten einkalkuliert, wären wir jetzt pünktlich. Aber es muss eben immer alles schnell gehen.

Damit haben wir endgültig die Langsamkeit entdeckt

Acht Stunden Zugfahrt liegen hinter uns. Von Irkutsk nach Ulan Ude. Acht Stunden - eine Kurzstrecke eben. Man hat es sich gerade erst häuslich eingerichtet, und damit meine ich nur das Nötigste, ist sie schon wieder zu Ende. Wir sind weder dazu gekommen, längere Zeit aus dem Fenster zu schauen, noch viele Fotos zu machen. Unsere Karten haben wir erst gar nicht ausgepackt. Ein bißchen lesen, ein kleines Mittagessen, nen Kaffee dazu die Reste eines Mohnzopfes, bißchen was schreiben, ein kleines Nickerchen, das war's. Weder das Gesicht der Schaffnerin ist uns vertraut, noch hatten wir die Gelegenheit, mit den Mitreisenden zu sprechen. An das Restaurant war gar nicht zu denken. Also eine Nacht braucht man schon, um mit dem Zug warm zu werden, das Rattern und Wackeln in die eigene Bewegungsabläufe zu integrieren und von sich selbst sagen zu können, man sei mit dem Zug gereist.

56 Stunden im Zug von Jekaterinburg nach Irkutsk - das ist so wie ein komplettes Wochenende daheim auf dem Sofa chillen. Wir haben tatsächlich 3 Nächte und 2 Tage im Zug verbracht und uns doch kein bisschen gelangweilt. Da der Zug nicht ausgebucht war, hatten wir die ganze Fahrt ein Abteil für uns, das nach und nach zu einem gemütlichen Wohnzimmer wurde. Wir hatten uns bei dem leckeren Supermarkt  mit Köstlichkeiten eingedeckt und diesmal nicht zum Knoblauch-Baguette gegriffen. So strukturierten die Mahlzeiten unsere Tage. Mittags wurden wir sogar mit einem warmen Mittagessen aus dem Bordrestaurant versorgt, das in unserem Ticketpreis enthalten war. Wie haben wir die Zeit verbracht? Karten spielen, lesen, Karten spielen, essen, lesen, ... Zwischendurch haben wir uns neue Canasta-Regeln ausgedacht und natürlich die Weite Sibiriens bewundert. Unten seht ihr eine kleine Auswahl. Der Kontakt mit den Mitreisenden ist aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse eher schwierig. Und abgesehen von zwei Holländerinnen, die an Konversation auch nich sonderlich interessiert waren, haben wir keine anderen Touris entdeckt. In Irkutsk angekommen, ein Dusche und frische Klamotten später, erkunden wir nun die schönste Stadt Sibiriens. 

Moskau Yaroslavskij Station - hier fing die Reise auf der echten transsibirischen Strecke an. Unsere erste Tour führt uns gleich von Europa über den Ural nach Asien. Beim Einstieg kontrolliertere die Schaffnerin Tickets und Pässe und wies uns unsere Betten zu. Das erste Mal hatten wir Mitfahrer: eine russische Tatjana Anfang 40 und einen sehr schweigsamen Herrn mit getönten Brillengläsern und - sorry dafür- Käsefüßen. Tatjana hat sich erstmal über alles aufgeregt und sich bei der Schaffnerin über die mangelnde Sauberkeit beschwert. Kurze Zeit später kam sie mit einem feuchten Lappen und hat Tisch und Fenster abgewischt. Dabei hat sie die ganze Zeit irgendetwas vor sich hingebrabbelt, wir haben es aber leider nicht verstanden.

Überhaupt ist das mit der Verständigung so eine Sache. Als die Schaffnerin uns etwas fragte, konnten wir sie nur fragend anlächeln. Da hat sie aus dem Nachbarabteil einen jungen Mann geholt, der übersetzen sollte. Ab da fing der Spaß an. Es stellte sie heraus, dass neben uns eine russische Studentengruppe aus Omsk "wohnte". Für die waren wir tatsächlich eine Attraktion. Plötzlich war unser Abteil belagert. Einer von den Studis konnte zumindest ein bisschen Englisch. So haben wir erfahren, dass die Truppe 8 Wochen im hohen Norden Russlands auf einer Öl- und Gasplattform von Gazprom gearbeitet und Geld verdient hat. Dann haben sie uns zu sich eingeladen und uns mit Gitarrenbegleitung russische Lieder vorgesungen. Wie man es sich vorstellt!

Interessanterweise haben sie uns zu Deutschland gefragt, warum es in unserem Land überall so sauber sei? Und das, nachdem wir hier vor ein paar Tagen gepostet hatten, dass in Moskau alles so herausgeputzt ist. Sie studieren etwas ähnliches wie Maschinenbau und wollen später Mal in der Automobilbranche arbeiten. Logisch, dass sie von deutschen Autos schwärmten. Zum Schluss mussten wir noch ein Autogramm auf der Innenseite ihrer Studentenuniform hinterlassen. Als Erinnerung hat Robert nun sogar ein Original Omski Studenski Shirt! 

Die Querung des Ural ist ganz unspektakulär verlaufen. Die Zugfahrt geht nur durch hügeliges Land, von Gebirge ist keine Spur. Eher durch Zufall haben wir daran gedacht, dass kurz vor unserem Ausstieg die Grenze zwischen Europa und Asien liegt und haben dann tatsächlich den Obelisken mit der Kamera eingefangen. Sonst hat sich aber niemand dafür interessiert.

Auf den Bildern ist unser Zug am Abfahrtsbahnhof, die Studentengruppe, stilechte Teegläser, der Samowar - eine Art Wasserkocher, der Grenzstein am Ural - leider etwas verwackelt, 

Auf dem Weg nach Peking überqueren wir neben Flüssen, Länder- und Kontinentgrenzen auch einige für die Eisenbahn markante Wegpunkte. Einer der bedeutendsten davon liegt an der Grenze von Polen nach Weißrussland, die Grenze der Spurweiten. Während in Deutschland, Polen und den meisten Ländern der EU die Normalspurige (1435 mm) üblich ist, trifft man in Russland und den meisten Nachbarländern die russische Breitspur an. Kleiner Exkurs Eisenbahn-Bau und Betriebsordnung EBO $ 5: "Die Spurweite ist der kleinste Abstand der Innenflächen der Schienenköpfe im Bereich von 0 bis 14 mm unter Schienenoberkante (SO). Das Grundmaß der Spurweite beträgt 1.435 mm". Dass es diese unterschiedlichen Spurweiten gibt, war mir bewußt, nicht jedoch welchen Aufwand dies darstellt. In einer Halle auf weißrussischer Seite wurde unser kompletter Zug langsam und gleichmäßig hochgehoben. Wohlgemerkt, der komplette Zug nebst allen Reisenden, allen Wagen, Gepäck etc. Dies ging so langsam vonstatten, dass wir davon nichts gespürt hatten, lediglich der Abstand zum Hallenboden wurde zunehmend größer. Die Arbeiter, ca. 25 an der Zahl, haben den kompletten Unterbau und die Verbindungen zwischen den Wagen abgeschraubt. Daraufhin wurde unsere bisherigen Räder auf den alten Gleisen nach draußen geschoben und von der anderen Seite fuhr ein neues Fahrgestell ein. Unser Zug schwebte in der Zwischenzeit alleine über dem Hallenboden. Das neue Fahrgestell wurde mit den Wagen verbunden und nach ca. 1 1/2 Stunden war die Prozedur erledigt. Erstklassige Arbeit der Kollegen! Ein mulmiches Gefühl blieb trotzdem nach der Weiterfahrt. Und die Frage, weshalb nicht einfach die Reisenden in neues Wagenmaterial umsteigen. Das würde nur ca. 10 Minuten dauern und neben dem Standard-Zugpersonal wäre weiters niemand erforderlich. Der Menscheit ginge jedoch ein interessantes Spektakel der Ingenieurkunst verloren.

Auf den Bildern kann man die beiden Spurweiten zwischen den Wagen, die Zughebeeinrichtung und die Einstellungen, welche in unserem Abteil vorgenommen werden müssten, sehen.

Schon oft sind wir ICE gefahren. Trotzdem war ich dieses Mal aufgeregt. Wir waren dann auch schon ca. 1/2 Stunde vor Abfahrt am Frankfurter Hauptbahnhof. Verrückt! Der Zug war pünktlich. Auch das Abkuppeln des hinteren Zugteils in Köln Deutz hat bestens geklappt. Fast eine langweilige Fahrt, wäre da nicht hinter uns diese Frau gesessen. Nicht dass sie nur sehr laut in ihr Telefon geschrieen hat. Sie hatte auch noch den Lautsprecher angeschaltet. Jeder konnte mithören, was ihr Mann Günter zu sagen hatte. Nicht viel. Nicht Mal ihren Namen hat er genannt. Sie dafür umso häufiger. Ihr Mann heißt Günter. Sie ist von Baden Baden nach Essen gereist. Hatte dort nen beruflichen Termin. In Frankfurt musste sie umsteigen - und wurde so zu unsrer Mitreisenden. Ein Turnschuhanschluss. Für alle Nicht-Bahner: Ein Anschluss, bei welchem der Reisende weniger Übergangszeit als die Mindestübergangszeit hat, um von einem ankommenden Zug in den abfahrenden Zug zu wechseln. Der Reisende - oder in unserem Falle die Reisende - muss sich also sehr beeilen. Obwohl sie nicht oft in Frankfurt umsteigt, also zur Gruppe der Nicht-Ortskundigen gehört, hat sie es geschafft. Leider! Die Telefon-Verbindung ist mehrmals abgerissen. Ihrs Sehnsucht nach Günter muss also groß gewesen sein. Die Anzahl der Tunnel "Das wird jetzt doch Mal der letzte Tunnel gewesen sein." hat sie sehr gestört. Zur Not hätte sie ab Essen Hauptbahnhof auch ein Taxi genommen, falls sie die S-Bahn nicht erreichen würde. Doch der ICE war pünktlich, überpünktlich. Sie hätte sich das Taxigeld auch nicht erstatten lassen - das Anstehen am Bahnhof ist ihr zu blöd. Brav. Sogar ab Düsseldorf hätte sie zur Not schon das Taxi genommen. Da wäre sie noch früher zu Hause gewesen. Hat sie aber nicht. Ein erleichtertes Stöhnen von Günter.

Wir haben unsere erste Nacht im Zug gut überstanden und ziehen ein positives Resümee. Zu Beginn der Reise hatten wir uns für ein Zwei-Bett-Abteil entschieden. Diesmal gab es also noch keine unliebsamen Schlafgäste. An das Rucken und Zucken des Zuges hatten wir uns schnell gewöhnt. Nur bei der einen oder anderen Weiche hatte ich Bedenken aus dem Bett zu kullern. Gut das ich unten lag. Ist aber auch so gut gegangen. Am Morgen hat uns unser Wagen-Schaffner mit frischem Kaffee und einem Croissant überrascht. Nach dem Frühstück haben wir die Betten umgebaut und die Sitze hervorgeholt. Wir konnten noch nicht mal annähernd alle unsere Utensilien für die Fahrt ausprobieren, da waren wir schon in Warschau angekommen. Es hat gerade mal für 100 Seiten in meinem ersten Buch gereicht. Irgendwie war die erste Fahrt einfach zu kurz.

Lange geplant, lange herbeigesehnt, jetzt ist endlich soweit! Um 20:10 Uhr steigen wir am Frankfurter Hauptbahnhof in den Zug. Gerade sitzen wir aber noch entspannt auf dem Balkon, wie ihr auf dem Foto erkennen könnt. Die Rucksäcke sind gepackt. Wir hoffen, dass wir nun auch wirklich alles notwendige dabei haben. Und wenn nicht: dann geht die Welt auch nicht unter. Morgen Mittag kommen wir - so die Bahn will - in Warschau an. Dann können wir von unserer ersten Nacht im Zug berichten. 

Neulich Richtung München saßen wir im ICE. Die Fahrt dauerte drei Stunden. Wir bekamen auch keine kostenlose Verlängerung der Fahrt. Nach einer Stunde in Würzburg war uns "langweilig". Wir haben uns angesehen und das gleiche gedacht. "Wenn uns jetzt nach einer Stunde schon langweilig wird, was sollen wir dann 56 Stunden lang von Jekaterinburg nach Irkutsk machen?"

Wir fahren ab heute tatsächlich insgesamt 8 Tage und Nächte Zug. Meist über Nacht und meist so ca. 24 Stunden. Die längste Strecke geht von Jekaterinburg nach Irkutsk - in Sibirien. Drei Nächte ohne Dusche, zwei volle Tage Leben im Zug. Wie das so wird ist für mich die spannendste Frage vor der Abfahrt. Wir haben viel Material dabei, Hörbücher, E-Books, Quizblock, Spiele etc. Aber eigentlich wollen wir uns ja gerade nicht die Langeweile totschlagen, sondern eine kleine Auszeit nehmen. Abschalten, runterkommen, entschleunigen. Im Zug Leben, eben. Die Langeweile "erleben". Mitreisende treffen, Wodka trinken, Stundenlang rausschauen. Mal sehen wie es wird.

Ich bin darauf am meisten gespannt.