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Die Zeiten, Russland zu bereisen, waren schon Mal besser, würde man meinen. Seit Anfang des Jahres beobachten wir die Entwicklungen und waren natürlich nicht begeistert. Durch die Ukraine wären wir auch definitiv nicht gefahren. In den letzten Monaten und gerade in dieser Woche spitzt sich die Lage ja sogar nochmal zu. Das hat bei uns schon für etwas Skepsis gesorgt. Wir stellten uns die Frage, wie wird man uns als Deutsche begegnen. Jetzt können wir keinen Vergleich zu vor einem oder zwei Jahren ziehen, wir können jedoch nicht feststellen, dass uns jemand unfreundlich begegnet. Alle sind meist freundlich und nett zu uns und bemühen sich, die Sprachbarriere zu überwinden, wobei man freundlich nicht mit herzlich verwechseln darf. Eher höflich reserviert, ohne das in südlicheren Ländern obligatorische Lächeln im Gesicht, was aber eher eine Frage der Mentalität denn der weltpolitischen Lage ist. In Jekaterinburg hat beispielsweise in einem Museum, wo alles nur auf russisch beschrieben war, die Frau am Schalter die einzig Englisch sprechende Mitarbeiterin ausfindig gemacht, die uns dann sogar angeboten hat, die Bildbeschreibungen auf Englisch zuzuschicken. Das haben wir dann doch höflich abgelehnt. Oder bei der Ankunft in Jekaterinburg hat unser Mitfahrer, der aus Jekaterinburg stammt, uns zur U-Bahn begleitet, mit uns das Ticket gekauft und den Weg zu unserem Hotel beschrieben. Und das mit einer Hand voll englischer Worte. 

Russland wirkt auf uns nicht von der Welt abgeschottet, wie es ja noch vor zwei Jahrzehnten gewesen ist. Es gibt alles zu kaufen, was es bei uns auch gibt. Restaurants bieten Essen nicht nur aus allen ehemaligen Sowjetrepubliken. Weit verbreitet sind englische Pubs, italienische Restaurants, japanische Sushi-Restaurants oder asiatische Schnellimbisse. Gegenüber des Bahnhofs von Jekaterinburg  hat uns auch gleich der Ratskeller der Stadt begrüßt. Berliner Weiße und Paulaner stehen neben Bieren aus aller Welt in jedem größeren Supermarkt. Die Auswahl an Lebensmittel und die Menge exquisiter Delikatessen übertrifft oft das in Deutschland durchschnittliche Ausmaß. Deutsche und japanische Autos dominieren neben russischen die Straßen. Auch kulturell wirkt Russland als Teil der "Weltgemeinschaft". In besagtem Museum in Jekaterinburg war eine in den USA entwickelte und in vielen Städten schon gezeigte Ausstellung über die Ureinwohner Amerikas zu sehen. In Irkutsk gibt es regelmäßig Orgelkonzerte klassischer Komponisten. Englische Songs und englische Werbung sind selbstverständlicher Teil des Straßenbildes. Die Dominanz amerikanischer Fastfood-Läden wie McDonald's, Subway oder Kentucky ist schon fast erschreckend. 

Nach unserem Eindruck, und dieser ist natürlich höchst subjektiv, überwiegen die Gemeinsamkeiten zwischen Russland und Westeuropa. Und dies ist eher eine Bewegung von unten, also von den Menschen aus, denn eine von oben gesteuerte. Doch zurück zur Weltpolitik. Diese enge Verflechtung macht Sanktionen für die Bevölkerung damit auch direkt spürbar. Ob sich der daraus entstehende Unmut allerdings gegen die eigene Regierung oder gegen andere Staaten wendet, kann nur spekuliert werden. Den Nationalstolz erleben wir jedenfalls als sehr ausgeprägt. Damit beinhalten Sanktionen eine enorme Gefahr für das Verhältnis der betroffenen Staaten und der darin lebenden Menschen, womit wir wieder bei der Skepsis vom Beginn des Artikels wären. Die Zeiten, Russland zu bereisen, würden sich wahrscheinlich verschlechtern. Die Frage ist nur, was ist die Alternative?

Kommentare  

#3 britta 2014-09-07 21:33
Na da können sich die Moskauer Korrespondenten ne Scheibe von abschneiden! Fundiert recherchierter Artikel mit aktueller Brisanz ! Super gut !
#2 Carina 2014-09-02 09:57
Habe den Artikel auch gerade beim Frühstücken gelesen...wirklich interessant eure Einschätzung. Cool, wenn man so mittendrin ist.
#1 brete 2014-09-02 08:14
Guten Morgen euch beiden. Sitzen beim Fruhstuck und schauen wie all die Tagecin euren Blog. Vielen Dank fur eure Einschatzungen zur Weltpolitik. Ihr seid sozusagen mitten drin! Bei uns ist es inzwischen grau, nass un kalt und der Herbst-Blues greift nach uns.
Viele Gruße aus der Heimat BuS.

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